Tödliche Kunst (kartoniertes Buch)

Kriminalroman, Der Passau Krimi 6, Tödliche Kunst
ISBN/EAN: 9783943395051
Sprache: Deutsch
Umfang: 470 S.
Format (T/L/B): 3 x 19 x 12 cm
Auflage: 1. Auflage 2020
Einband: kartoniertes Buch
14,80 €
(inkl. MwSt.)
Lieferbar innerhalb 24 Stunden
In den Warenkorb
"Tödliche Kunst" Band 6 aus der Reihe Der-Passau-Krimi Ein Mord im Museum Moderner Kunst in der Passauer Altstadt sorgt für Aufsehen und behindert die Vorbereitungen zur alljährlichen Kunstnacht. Denn einer der ausstellenden Künstler wird am Tag des Events erhängt an seinem eigenen Kunstwerk aufgefunden. Dem jungen, gutaussehenden Mann schien es an nichts gefehlt zu haben, doch er hatte für seine Leidenschaft viel in Kauf genommen. Und so wächst die Liste der Verdächtigen, die das Team Steinbacher/Hollermann führt, so rasant wie sich neue Motive auftun. Es wird gelogen, verschwiegen und schöngeredet. Bis es am Ende zu spät ist. Denn kurz darauf gibt es schon eine zweite Leiche.
Die Passauer Altstadt war praktisch menschenleer, als die dunkelhaarige Frau an diesem Julimorgen mit zwei Taschen in den Händen die Bräugasse erreichte. Die Hitze des Sommers hatte sich seit Tagen über die Stadt gelegt und die meist alten Mauern der Häuser aufgeheizt. Nicht mehr lange, dann würden die Gäste der Kreuzfahrtschiffe, die unweit am Donaukai vor Anker lagen, die schmalen Gassen der Altstadt füllen, und mit den Touristen kämen der Lärm und der intensive Geruch von schwitzenden Leibern. Es war täglich der gleiche allgegenwärtige Spuk, bis sie zum Abend hin, wie auf ein Zeichen, zu ihrem All-Inclusive-Essen wieder im Bauch der jeweiligen Schiffe verschwanden. Verena kannte diese getaktete Übernahme ihrer Geburtsstadt, hatte sie doch alles täglich von ihrem Arbeitsplatz aus im Blick. Die Stadtführerrouten verliefen zwischen dem Rathaus, dem Dom und der Neuen Residenz. Manche wählten einen Abstecher aufs Oberhaus, und die ungarischen Gäste besuchten das Grab der seligen Gisela, das gleich hier um die Ecke, in der Klosterkirche von Niedernburg, lag. Verena blieb neben dem Fenster der Pizzeria stehen und seufzte gequält. Zu sagen, sie fühle sich unwohl, wäre eine massive Untertreibung. In Wirklichkeit ging es ihr absolut beschissen und im Nachhinein ahnte sie, dass sie besser im Bett geblieben wäre. Zumindest bis zum Nachmittag. Mit dem Unterarm wischte sie sich eine Haarsträhne aus der feuchten Stirn und stöhnte leise auf. An normalen Tagen hätte es sicher niemanden interessiert, ob sie früher oder später kam, solange sie ihre Aufgaben gewissenhaft erledigte. Doch heute war ein ganz besonderer Tag. Während sie weiter ging, glaubte sie auf einmal in der Spiegelung der Fenster das schöne Gesicht des Künstlers zu entdecken, den sie momentan betreute. Er sah sie an, wie er es anfangs oft getan hatte. Bestimmt hatte er gewusst, dass er sie mit diesem Blick um den Finger wickeln konnte. Sie hatte alles möglich gemacht, wenn er sie nur so ansah, überlegte Verena. Sie lächelte leicht und spürte, wie allein der Gedanke an ihre gemeinsame Zeit ihren Puls in die Höhe trieb. Denn das war der wahre Grund, weshalb sie, statt im Bett zu bleiben, auf dem Weg ins Museum Moderner Kunst war. Heute sollte sein großes Geheimnis gelüftet werden, und durch nichts hätte sie sich die Chance entgehen lassen, die Erste zu sein, die es zu sehen bekam. Acht Wochen hatten sie auf diesen Tag hingearbeitet. Acht Wochen voll großer Gefühle, Angst, Schweiß, Streit und Selbstüberwindung. Acht Wochen, in denen sie miteinander gerungen hatten, um für einen großen Traum über sich selbst hinauszuwachsen. Im Weitergehen spürte sie, wie der dünne Stoff ihres Kleides schweißnass auf Rücken und Bauch klebte. Der Pulsschlag ihres erregten Herzens pochte laut in ihren Schläfen. Vielleicht war es ja doch einfach die Hitze und die Anspannung. Am Abend fand die Passauer Kunstnacht statt. Zwei Ausstellungseröffnungen gab es allein im Museum. Für das Gelingen der einen war sie verantwortlich. Diese Tatsache war aber noch lange kein Grund für den Schwindel, der sie in der Mitte der Klostermauer erneut zum Stehenbleiben zwang. Verena war lange in diesem Geschäft, sie wusste, was sie tat. Zumindest meistens. Tief durchatmend suchte sie Halt an den rau verputzten Steinen. Gleich hatte sie es geschafft, sie musste nur noch die Straße überqueren, dann stand sie vor der Eingangstür des Museums, holte ihren Schlüssel aus der Tasche und schloss auf. In der ehemaligen Zufahrt, die die vier Häuser miteinander verbunden hatte, legte sich die kühle Luft auf ihre feuchte Haut und ließ sie erschaudern. Routiniert warf sie einen Blick in den Kassenraum hinüber, aber der Kollege war noch nicht da und damit war auch der Aufzug noch nicht in Betrieb. Außer ihrer Neugierde gab es keinen Grund, schon so früh im Museum zu sein, die ersten Besucher durften erst in zwei Stunden eintreten. Inzwischen hielt sich Verena nur noch mit Mühe aufrecht und war froh, als sie die ersten